Optische Halluzinationen treten nicht nur bei psychischen Störungen auf – auch Menschen mit nachlassender Sehkraft spielt das Gehirn oft Streiche.
Aus: Gehirn&Geist, Mai 2010
Manche Menschen, die nur noch über eine geringe Sehschärfe verfügen, erleben regelmäßig optische Halluzinationen. Sie sehen fremde Personen, Tiere oder farbige Lichter, die gar nicht da sind. Dieses Phänomen, bekannt als "Charles-Bonnet-Syndrom", betrifft vor allem ältere Personen, die wegen einer Augenerkrankung in ihrer visuellen Wahrnehmung eingeschränkt sind, berichtet das Magazin Gehirn&Geist in seiner aktuellen Ausgabe (5/2010).
"Die häufigste Ursache für das Syndrom ist eine Makuladegeneration", erklärt der Neurologe Claus Wallesch, ärztlicher Direktor der BDH-Klinik für neurologische Rehabilitation in Elzach. Auch Patienten mit diabetischer Netzhauterkrankung sowie grauem oder grünem Star berichten öfters von optischen Trugbildern. Die Illusionen entspringen Teilen des Gehirns, die Nervenimpulse aus der Netzhaut mit Erinnerungen und Vorstellungen verknüpfen. Erhält dieser "Assoziationskortex" zu wenig Signale vom Sehnerv, beginnt er offenbar spontan, neue Bilder zu produzieren.
Das Phänomen sei an sich harmlos, erklärt Wolfgang Behrens-Baumann, Direktor der Universitätsaugenklinik in Magdeburg. Zwar sei den Betroffenen bewusst, dass die Erscheinungen nicht real sind – was sie von schizophrenen Patienten unterscheidet –, aber viele würden trotzdem nur ungern darüber reden. "Sie haben Sorge, als verrückt abgestempelt zu werden oder Medikamente verabreicht zu bekommen", so der Mediziner. Es müsse auch unter Ärzten noch stärker bekannt gemacht werden, dass optische Halluzinationen eine rein organische Ursache haben können.
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