Freitag, 11. März 2011

Deutsch auf Vorderfrau: Sprachkritische Glossen

Seit mehr als 30 Jahren arbeitet die Sprachkritikerin Luise F. Pusch an der Aufdeckung maskuliner Sprachblähungen, die die Frauen noch besser unsichtbar machen als jede Burka. Was mit der Feministischen Linguistik begann, das ist heute als Neugestaltung der Gesellschaft durch eine „gendergerechte Sprache“ in der Breite angekommen. Der Diskurs sucht die Frage zu beantworten, wie unsere herrschende Burkasprache zu einer gerechten Sprache werden könnte. Dabei ist aber der Gebrauch weiblicher Personenbezeichnungen anstelle des universellen Maskulinums erst ein kleiner Schritt in die Richtung, unsere Welt durch Weibliches zu vervollständigen.

Seit 2007 entsteht im Blog „Laut und Luise“ der Sprachwissenschaftlerin Luise F. Pusch ein Panorama der männlich-weiblichen Ungereimtheiten. Die zum Wochenschluss erscheinenden Glossen haben zur Erheiterung an so manchem Wochenende beigetragen. Sprachliche Missstände, die den meisten gar nicht auffallen, offenbaren, dass durch Sprache Tag für Tag ein androzentrisches Weltbild verbreitet, gemästet und verfestigt wird – so als gäbe es die weibliche Hälfte der Bevölkerung gar nicht. Die Sprache, über die Jahrhunderte hinweg auf „maskulin“ getrimmt, muss endlich „auf Vorderfrau“ gebracht werden.

Kreativer Umgang mit Sprache, im Sinne eines flexiblen sozialen Gebildes statt einer hochherrschaftlichen Ewigkeitsstruktur, ist das Kennzeichen einer am Weiblichen orientierten Sprachbetrachtung. Die maskuline Dominanz in der Sprache erzeugt die seltsamsten Stilblüten. Diese werden von Luise F. Pusch in ihrem neuesten Buch „Deutsch auf Vorderfrau: Sprachkritische Glossen“ mal humorvoll, mal mit schneidendem Spott aufgespießt.

Ein sensibler Umgang mit Sprache erfordert Mut. Nicht selten werden Sprachkreationen, die das Weibliche sichtbar machen wollen, von Männern lächerlich gemacht. Dabei wird übersehen, dass die klaffende Lücke in der Abbildung unserer Welt, das Fehlen des Weiblichen, das eigentlich Groteske ist.

Die Feminisierung der Sprache ist noch immer neues Terrain. Sie hat eine Chance, wenn das Selbstbewusstsein der Frauen steigt und sie sich eine Vermännlichung ihres Sprachlebens, und damit ihres Denkens, verbitten. Wie jede soziale Veränderung braucht dies Zeit. Aber die Zeit ist reif. Luise F. Puschs Innovationen mit Blick auf Sprachgeschichte und Sprachvision zeigen den Weg eines demokratischen Wandels: alle können mitmachen bei der Reise von der Unmündigkeit unhinterfragter Sprachverwendung hin zur Kreativität weiblichen Bewusstseins.

Wie Luise Pusch die Sprache auf Vorderfrau bringt, ist ein Erlebnis ganz eigener Art. Zum Lachen, zum Weinen - kurz: zum Schreien komisch.

Luise F. Pusch:
Deutsch auf Vorderfrau: Sprachkritische Glossen (2011)
Wallstein Verlag, Göttingen
ISBN: 978-3-8353-0863-3.
140 Seiten, 9,90 Euro
Bestellung bei: http://www.wallstein-verlag.de/9783835308633.html

Rezensionsexemplare:
Nicole Staßwender
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