Mittwoch, 15. Juni 2016

Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb mit erstem „Journalist-in-Residence“


Manfred Ronzheimer untersucht die Erneuerung des Innovationsjournalismus in Deutschland

(München, 15.06.2016) - Das Münchner Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb hat erstmals ein Fellowship für einen „Journalist-in-Residence“ eingerichtet. Es ist seit dem 1. Juni für die Dauer von drei Monaten mit dem Berliner Wissenschaftsjournalisten Manfred Ronzheimer besetzt. Sein inhaltlicher Schwerpunkt wird während dieser Zeit eine Untersuchung über die Situation und Erneuerung des Innovationsjournalismus in Deutschland sein.

Das Format des „Journalist-in-Residence“ wird seit einigen Jahren von einer kleinen Zahl von wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland angeboten, unter ihnen seit 2005 vom Kölner Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung und seit 2013 vom Berliner Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte. Dabei hat der Journalist den Status eines Gastwissenschaftlers, nimmt an der wissenschaftlichen Tätigkeit des Instituts teil und lernt auf diese Weise den Forschungsbetrieb von innen her kennen. Das Fellowship umfasst außerdem die Hospitation an einem Forschungsprojekt des Instituts sowie die Möglichkeit für eigene Projektrecherchen. Dadurch soll eine Qualitätsverbesserung des Wissenschaftsjournalismus erreicht werden. Zugleich sollen die Wissenschaftler des Instituts erfahren, wie die Vermittlung von Forschungsergebnissen in die Öffentlichkeit verbessert werden kann.

„Wir leben im Zeitalter von Open Science: Wissenschaft muss sich stärker öffnen und dazu auch neue Wege der Vermittlung in die Gesellschaft beschreiten“, erklärt  Prof. Dietmar Harhoff, der die Abteilung „Innovation and Entrepreneurship“ des Instituts leitet. „Besonders bei der Kommunikation des für die Wirtschaft so bedeutenden Themas Innovation sind Verbesserungen dringend geboten“, ergänzt Harhoff, der auch Vorsitzender der Expertenkommission Forschung und Innovation der Bundesregierung ist. „Unser Institut ist die prädestinierte Stätte, an der ein Journalist über die Zukunft seines Berufsstandes nachdenken kann – das ist Innovation!“, ergänzt Prof. Josef Drexl, Leiter der Abteilung Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht. „Wir Juristen haben eine große Lücke zwischen unserer Welt und der Welt der Medien, deren Ursachen mich interessieren“, formuliert Prof. Reto M. Hilty, Co-Leiter der Abteilung, eine weitere Erwartungshaltung.

„Journalisten sind neugierig und schauen gerne hinter die Kulissen“, bemerkt Manfred Ronzheimer, der als freier Fachjournalist seit Jahren auch das Themenfeld Innovation bearbeitet, das sich zwischen den klassischen Medienressorts Wissenschaft und Wirtschaft bewegt. „Üblicherweise haben wir Journalisten es mit den Ergebnissen von Forschung zu tun, um darüber zu berichten. Als Journalist-in-Residence erfährt man hautnah, was dazu im Vorfeld an konkreter forscherischer Arbeit geleistet werden muss“.

Ronzheimer geht in seinem Projekt von der These aus, dass der wachsenden faktischen Bedeutung von Innovation in Deutschland eine immer geringere journalistische Berichterstattung über das Thema gegenübersteht, die zudem von einer bedenklichen Abnahme qualitativer Standards begleitet wird. Eine Befragung von Innovationsjournalisten und Kommunikatoren aus Wissenschaft und Wirtschaft soll die These bestätigen oder entkräften. Außerdem wird ein Konzept für ein „Reallabor“ erarbeitet, mit dem ein „erneuerter Innovationsjournalismus“ auf neuen medialen Verbreitungswegen praktisch erprobt werden kann.

Über das Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb

Im Mittelpunkt der Forschung am Institut stehen die Erforschung von Innovations- und Wettbewerbsprozessen sowie die Erarbeitung von Vorschlägen für die Gestaltung der Rahmenbedingungen für diese Prozesse. Die Forschungsfragen werden in einer rechtswissenschaftlichen und einer wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung untersucht. Das Institut wurde im Jahr 1966 als Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Patent-, Urheber- und Wettbewerbsrecht gegründet. Nach der Einrichtung einer neuen wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung wurde es im Jahr 2013 in Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb umbenannt.
Das Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb ist eines von 83 Instituten der Max-Planck-Gesellschaft, eine von Deutschlands führenden Forschungsorganisationen. In der Auswahl und Durchführung ihrer Forschungsaufgaben sind die Max-Planck-Institute frei und unabhän­gig. Sie verfügen daher über einen eige­nen, selbst verwalteten Haushalt, der durch Projektmit­tel von dritter Seite er­gänzt werden kann. Die Forschung am Institut muss den wissen­schaftlichen Exzellenzkriterien der Max-Planck-Gesellschaft genügen, was durch regelmäßige Evaluation überprüft wird.