Dienstag, 13. Juni 2017

Metabolisches Syndrom wird oft übersehen - Schlaganfall-Gefahr doppelt so hoch

Hannover (apothekerkammer-niedersachsen) – Sonnenschein und warme Tage. Die Zeit der dicken Wollpullis ist nun endgültig vorbei. T-Shirts und Shorts haben jetzt Saison. Doch nicht alle freuen sich, mehr Haut zu zeigen. Wenig Kleidung enthüllt auch so manches Fettpolster. Es gibt Menschen, bei denen kalorienreiche Ernährung besonders anschlägt. Wer einen Taillenumfang von mehr als 80 Zentimeter (Frauen) oder 94 Zentimeter (Männer) hat, könnte unter einem Metabolischen Syndrom leiden und sollte unbedingt die Werte HDL-Cholesterin, Triglyceride, Blutdruck sowie Nüchtern-Blutzucker kontrollieren lassen. Liegen diese über oder bei HDL-Cholesterin unten den Normwerten, läuft man Gefahr, an Diabetes oder Herz-Kreislauf-Störungen zu erkranken. Warum das Metabolische Syndrom so oft übersehen wird und was es so gefährlich macht, weiß die Apothekerkammer Niedersachsen.
Häufig in westlichen Industrienationen
Das Metabolische Syndrom ist eine Kombination von Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Diabetes und einem gestörten Fettstoffwechsel. In Deutschland wird das Syndrom bei etwa 25 Prozent der Bevölkerung diagnostiziert. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Im Alter von 50 bis 70 Jahren leiden bis zu 40 Prozent am Metabolischen Syndrom. Auch Kinder können das Syndrom schon entwickeln. Etwa 15 Prozent der Kinder in Deutschland sind übergewichtig, sechs Prozent davon sogar fettleibig. Von diesen fettleibigen Kindern leiden rund 33 Prozent an Bluthochdruck, 25 Prozent an Fettstoffwechselstörungen und ein Prozent hat bereits einen Typ-2-Diabetes entwickelt.
Frühe Diagnose wichtig
Gefährlich ist ein Metabolisches Syndrom vor allem deswegen, weil es zunächst mehr oder weniger unsichtbar verläuft. Zwar kann man verschiedene Faktoren, wie etwa Übergewicht, bemerken, allerdings müssen diese nicht unbedingt mit schwereren körperlichen Beschwerden einhergehen. Die Diagnose folgt daher oft erst, wenn es bereits zu spät ist und unumkehrbare Schäden die Folge sind. Patienten mit einem Metabolischen Syndrom sind zweimal mehr gefährdet, einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine arterielle Verschlusserkrankung zu erleiden. Das Risiko, an Diabetes zu erkranken, ist sogar verfünffacht. Bei der Diagnose eines Metabolischen Syndroms stützt man sich auf mehrere Symptome. Als Hauptindikator wird der Taillenumfang gesehen, daneben sind zusätzlich die Werte für HDL-Cholesterin, Triglyceride, Blutdruck sowie Nüchtern-Blutzucker entscheidend.
Lebensstil ausschlaggebend
Zu mehr als 50 Prozent liegt die Wahrscheinlichkeit, ein solches Syndrom zu entwickeln, in den Genen. Allerdings ist für das Auftreten der jeweilige Lebensstil ausschlaggebend. Vor allem ungesunde Ernährung sowie mangelnde sportliche Betätigung können dazu führen, dass sich das Syndrom manifestiert. Ein berühmtes Beispiel für ein Metabolisches Syndrom ist der „King of Rock ’n’ Roll“ Elvis Presley. Dessen Vorliebe für Ungesundes, etwa pro Tag zehn bis zwölf Erdnussbutter-Bananen-Sandwiches zu verspeisen, ließ diesen stark fettleibig werden.
Sport ist wichtig
Will man ein Metabolisches Syndrom behandeln, kommt es in erster Linie auf eine Reduzierung des Körpergewichts sowie des Taillenumfangs an. Weniger Essen und mehr Sport heißt die Devise. Wer zehn Kilogramm abnimmt, lässt den Nüchtern-Blutzucker um mehr als 30 Milligramm pro Deziliter sinken. Dabei sollte man seine körperlichen Aktivitäten immer weiter steigern und sich von den Erfolgen motivieren lassen. Im Alltag kann man etwa die Treppe statt den Fahrstuhl nehmen oder das Auto stehen lassen und stattdessen Radfahren oder Laufen. Das Trainieren von Ausdauersportarten wie Schwimmen, Walken oder Laufen hilft das Gewicht zu halten oder noch weiter zu reduzieren.
Langfristige Ernährungsumstellung
Hat man sich dazu entschlossen eine Diät zu absolvieren, sollte man in diesem Zuge auch seine Ernährung umzustellen. Da es bei vielen Diäten zu einem Jojo-Effekt kommt, infolgedessen man am Ende genauso viel wie zu Anfang wiegt, ist es wichtig, seine Essgewohnheiten auch langfristig zu ändern. Dazu können sich Patienten von Apothekern, die in der Ernährungsberatung weitergebildet sind, beraten lassen.
Regelmäßige Untersuchungen sinnvoll
Wer bereits zur Risikogruppe gehört, sollte sich regelmäßig beim Arzt untersuchen lassen. Auch die regelmäßige Messung von Blutzucker, Blutdruck, Gewicht und Taillenumfang – in der Apotheke oder daheim – kann dabei helfen, ein Metabolisches Syndrom frühzeitig zu entdecken, entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten und so Folgeerkrankungen zu verhindern.
Der Apothekerkammer Niedersachsen gehören rund 7.000 Mitglieder an. Der Apotheker ist ein fachlich unabhängiger Heilberufler. Der Gesetzgeber hat den selbstständigen Apothekern die sichere und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln übertragen. Der Beruf erfordert ein vierjähriges Pharmaziestudium an einer Universität und ein praktisches Jahr. Dabei erwirbt der Studierende Kenntnisse in pharmazeutischer Chemie und Biologie, Technologie, Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie. Nach dem Staatsexamen erhält er eine Approbation. Nur mit dieser staatlichen Zulassung kann er eine öffentliche Apotheke führen. Als Spezialist für Gesundheit und Prävention berät der Apotheker seriös und unabhängig. Er begleitet den Patienten fachlich, unterstützt ihn menschlich und hilft ihm so, seine Therapie im Alltag umzusetzen.