Montag, 11. September 2017

Bei Medikamenten kommt es auf die richtige Dosierung an

Hannover (apothekerkammer-niedersachen) – Wer Medikamente einnimmt, möchte entweder schnell wieder gesund werden, die Symptome einer bestehenden Krankheit lindern oder den Verlauf verzögern oder stoppen. Damit die Arzneimittel auch wirken und der Krankheitsverlauf nicht verschlimmert wird, ist die richtige Einnahme und Anwendung in der korrekten Dosierung wichtig. Auch Wechselwirkungen müssen für eine erfolgreiche Medikamententherapie möglichst ausgeschlossen werden. Hier hilft eine Beratung in der Apotheke weiter. Nimmt der Patient einen Arzneistoff durch eine falsche Handhabung nicht in der richtigen Konzentration auf, kann die Einnahme mit speziellen Hilfsmitteln oder kleinen Tricks vereinfacht werden, weiß die Apothekerkammer Niedersachen.

Fehldosierungen haben Konsequenzen
Die Gründe für eine fehlerhafte Medikamenteneinnahme sind vielfältig. Mal liegt es daran, dass es Probleme beim Öffnen der Verpackungen und mit der Handhabung gibt. Dies ist häufig bei älteren Patienten aufgrund mangelnder Beweglichkeit der Fall. Manchmal ist es schlicht Unwissenheit. Bei einer Unterdosierung wirkt das Medikament gar nicht oder nur unzureichend. Wird das Arzneimittel überdosiert, kann dies zu verstärkten Nebenwirkungen oder auch zu Folgeerkrankungen führen.  Um das Risiko einer Fehldosierung auf ein Minimum zu beschränken, sollten dem Patienten alle seine einzunehmenden Medikamente mit ihrer Wirkungsweise bekannt sein. Treten unerwartete Nebenwirkungen oder Komplikationen auf, sollten Patienten oder Angehörige sofort den Arzt informieren.
Stammapotheke kann helfen
Wer in einer Stammapotheke betreut wird, hat die Sicherheit, dass alle abgegebenen verschreibungspflichtigen Medikamente und die rezeptfreien Arzneimittel hinsichtlich ihrer Wechselwirkungen überprüft werden. Neue Tabletten oder eine geänderte Dosierung können so direkt mit dem Patienten besprochen und erklärt werden. Es werden zum Beispiel Doppelverordnungen durch mehrere Ärzte schneller erkannt und der Apotheker kann einschreiten, sodass es nicht zu einer Überdosierung kommt.
Apotheker können auch die Medikationspläne des Arztes erklären, auf Wunsch ergänzen oder selbst erstellen. Apotheker erklären alle Arzneimittel mit Wirkstoffen und Anwendungsgebieten in leicht verständlicher Sprache. Sie informieren über die korrekte Dosierung der Medikamente und ergänzen diese durch Einnahmehinweise. Hausapotheken können ebenfalls auf verfallene Medikamente oder Doppelverordnungen hin überprüft werden. Zur Absicherung hält der Apotheker auch Rücksprache mit dem Hausarzt.
Unterstützung bei der Handhabung
Apotheken können Patienten, die motorisch eingeschränkt sind, bei der Handhabung von Arzneimitteln unterstützen und so Fehldosierungen vermeiden. Es gibt in der Apotheke Hilfsmittel wie Entblisterer, Tablettenteiler, Augentropfhilfen oder Tubenausquetscher bis hin zu elektronischen Tropfenzählgeräten, die das genaue Abzählen der Tropfen erleichtern.
Patienten mit einer Sehbeeinträchtigung können die Tropfen in einen leeren Plastikbecher geben und die Tropfenzahl akustisch kontrollieren. Auch Beipackzettel in vergrößerter Schrift oder Unterstützung beim Öffnen von kindergesicherten Verschlüssen werden in der Apotheke angeboten. Wer dazu neigt, die Einnahme seiner Medikamente zu vergessen, dem ist ein Wochen- oder Tagesdispenser zu empfehlen. Eine solche Box gibt dem Patienten einen Überblick darüber, welche Medikamente bereits eingenommen wurden und welche noch eingenommen werden müssen.
Tabletten nicht eigenmächtig teilen
Häufige Fehlerquellen in der Anwendung von Medikamenten liegen bereits bei der Einnahme von Tabletten. So sollten diese niemals eigenmächtig geteilt werden, da eine Tablette immer als Einzeldosierung abgestimmt ist. Soll eine Dosis jedoch langsam gesteigert oder ausgeschlichen werden, gibt es dafür extra teilbare Tabletten, welche durch eine Bruchkerbe in definierte Stücke halbiert werden können. Dies ist je nach Arznei durch Fingerdruck oder nur mit einem Tablettenteiler möglich – das Zerschneiden mit einem Küchenmesser ist hingegen gefährlich und strikt zu unterlassen. Eine Kerbe in der Tablette bedeutet dabei jedoch nicht automatisch, dass eine Tablette auch geteilt werden darf – diese Information muss im Vorfeld unbedingt in der Apotheke eingeholt werden. Tabletten sollten zur weiteren Lagerung zudem nicht bereits im Voraus geteilt werden. Sind die Tabletten Licht und Feuchtigkeit ausgesetzt, kann dies die Wirkstoffqualität und -quantität beeinflussen. Stattdessen sollten die Reste einer bereits geteilten Tablette zurück in den Blister gedrückt oder in einem Tablettenteiler beziehungsweise Dispenser aufbewahrt werden. Hierbei ist es wichtig, das Dispenserfach gleich richtig zu beschriften, damit die Tablettenhälfte zugeordnet werden kann.
Die richtige Anwendung flüssiger Arzneien
Um flüssige Arzneien richtig einzunehmen, kann man Messlöffel mit gut sichtbarer Graduierung oder auch Kolbendosierpipetten verwenden. Kolbendosierpipetten werden mit passenden Steckvorrichtungen in die Flaschenöffnung gesteckt und durch Umdrehen der Flasche befüllt. Flüssige Medikamente sollten grundsätzlich zusammen mit einem Glas Wasser eingenommen werden. Suspensionen, zum Beispiel manche Nasensprays, Augentropfen oder Dosieraerosole müssen vor der Anwendung geschüttelt werden, damit sich die enthaltenen Partikel gleichmäßig verteilen können. Das Medikament muss dann sofort verwendet werden, damit sich die Wirkstoffe nicht wieder am Boden absetzen.
Die Anwendung von Augentropfen kann durch den Gebrauch einer Wimpernzange als Quetschhilfe erleichtert werden. Tropfenapplikationen mit Dosiersystemen, ähnlich der von Nasenspray, schaffen ebenfalls Erleichterung. Patienten sollten sich diese Dosiersysteme genau in der Apotheke erklären lassen und sie auch ausprobieren. Da sie leicht mit Nasensprays verwechselt werden, sollten sie nicht neben diesen aufbewahrt werden.
Der Apothekerkammer Niedersachsen gehören rund 7.000 Mitglieder an. Der Apotheker ist ein fachlich unabhängiger Heilberufler. Der Gesetzgeber hat den selbstständigen Apothekern die sichere und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln übertragen. Der Beruf erfordert ein vierjähriges Pharmaziestudium an einer Universität und ein praktisches Jahr. Dabei erwirbt der Studierende Kenntnisse in pharmazeutischer Chemie und Biologie, Technologie, Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie. Nach dem Staatsexamen erhält er eine Approbation. Nur mit dieser staatlichen Zulassung kann er eine öffentliche Apotheke führen. Als Spezialist für Gesundheit und Prävention berät der Apotheker seriös und unabhängig. Er begleitet den Patienten fachlich, unterstützt ihn menschlich und hilft ihm so, seine Therapie im Alltag umzusetzen.