Donnerstag, 16. August 2018

Alamannenmuseum Ellwangen zeigt neue Sonderausstellung

"Verehrt, verwendet, vergessen - Alamannen im Spannungsfeld von
Politik und Zeitgeschichte" wird ab 27. Oktober 2018 präsentiert

ELLWANGEN (pm) - Vom 27. Oktober 2018 bis 28. April 2019 ist im
Alamannenmuseum die Sonderausstellung "Verehrt, verwendet, vergessen -
Alamannen im Spannungsfeld von Politik und Zeitgeschichte" zu sehen. Die
vom Alamannen-Museum Vörstetten bei Freiburg konzipierte Ausstellung
beleuchtet den Alamannenbegriff im Wandel der Zeiten.

Immer wieder wird von Besuchern gefragt, warum die Alamannen in den
einschlägigen Fachmuseen mit einem "a" anstatt einem "e" geschrieben
werden. Dies veranlasste das Alamannen-Museum Vörstetten zu der Idee,
eine Ausstellung zum Alamannenbegriff zu konzipieren. Dieser taucht
erstmals im Jahr 289 n. Chr. in römischen Quellen auf und bezeichnete
germanische Stämme, welche sich in dem von den Römern nach dem Fall des
Limes verlassenen, rechten Oberrheingebiet niederließen. Im Laufe der
Geschichte erfuhr der ursprünglich als "Hilfsbezeichnung" entstandene
Alamannenbegriff einen entscheidenden Bedeutungswechsel und führte zu
falschen und irreführenden Verwendungen mit teilweise fatalen
Auswirkungen.

Während des frühen Mittelalters wurde das Siedlungsgebiet der
"Alamanni" als Herzogtum in das Frankenreich der Merowinger
eingegliedert und die römische Wortschöpfung zum herrschaftlichen
Raumbegriff umgewandelt, der in den nachfolgenden Perioden vor allem in
der historischen Forschung mit "e" geschrieben wurde. Im 19. Jahrhundert
erfolgte unter anderem durch Johann Peter Hebel und seine
"Allemannischen Gedichte" eine neue Verwendung des Begriffes als Volks-
und Stammesbezeichnung. Gleichzeitig beschäftigte man sich mit der
Frage, woher dieses "Volk" kam. Eine Umdeutung ins "Völkische" erfolgte
durch die Nationalsozialisten und fand seinen missbräuchlichen Höhepunkt
in der NS-Rassenideologie. In diesem Zusammenhang richtet die
Ausstellung auch den Blick auf die "Alemannenforschung" in der
Universitätsstadt Freiburg sowie das dort herausgegebene NS-Hetzblatt
"Der Alemanne".

Bis heute wirkt der Alamannenbegriff in vielfältiger Form nach * bis
hin zur Bezeichnung der Deutschen als "les allemands" in der
französischen Sprache und in einer Reihe von anderen Ländern. Seine
Bedeutung und Verwendung ist aber auch durch eine Polarität
gekennzeichnet, die einerseits durch Einrichtungen wie das "Alemannische
Institut" und die "Muettersproch-Gsellschaft" und andererseits vom
Missbrauch durch die Geschichtsdarstellung moderner rechter Ideologen
bestimmt wird.

Bei den Alamannen, denen die Museen in Ellwangen und Vörstetten
gewidmet sind, handelt es sich letztlich um eine archäologisch
nachgewiesene (tote) Kultur ohne Traditionsanknüpfung an die Gegenwart,
während das Alemannische eine bis heute existierende, lebendige Sprach-
und Brauchtumskultur darstellt, die sich in Süddeutschland, der Schweiz
und dem benachbarten Elsass erst nach dem Ende der Antike über
Jahrhunderte hinweg in seiner Eigenständigkeit entwickelt hat.

Die Ausstellung wird am Freitag, 26. Oktober 2018, um 18 Uhr eröffnet,
es sprechen Oberbürgermeister Karl Hilsenbek, der 1. Vorsitzende des
Fördervereins Alamannenmuseum Ellwangen, Werner Kowarsch, Dr. Niklot
Krohn vom Alamannen-Museum Vörstetten * er hält die Einführung in die
Ausstellung * sowie Museumsleiter Andreas Gut. Der Eintritt zur
Ausstellungseröffnung ist frei.