Missbrauch wird strenger geahndet /Korrupte Polizei in Kambodscha verhindert größere Erfolge
Von Robert Luchs
Phnom Penh (internet-zeitung) - Kambodscha versucht mit allen Mitteln, seinen Ruf als Tummelplatz für Sextouristen und Kinderschänder loszuwerden. Die Polizei des südostasiatischen Landes geht härter gegen Verdächtige vor, Haftstrafen sind verschärft worden und die Besitzer oder Pächter von Hotels und Gästehäusern achten mehr als früher darauf, was sich in ihren Unterkünften abspielt. Allerdings nutzen die Übeltäter nach wie vor die Bestechlichkeit von Polizisten, so dass sie oft ebenso schnell freikommen, wie sie verhaftet worden sind.
Vor wenigen Tagen ist erneut ein 61-jähriger Deutscher festgenommen worden, weil er ein 14 Jahre altes kambodschanisches Mädchen missbraucht haben soll. Wie die Kinderschutzorganisation „Action Pour Les Enfants“ („Aktion für Kinder“) in der Hauptstadt Phnom Penh mitteilte, war der Mann zusammen mit dem Mädchen in einem Hotelzimmer aufgegriffen worden. Der aus Köln stammende Mann sei, so der Leiter der Organisation, Samleang Seila, zuvor mehrere Monate lang beobachtet worden. In Kambodscha gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Nichtregierungsorganisationen (NGO), die sich um gefährdete Minderjährige kümmern.
Der Deutsche, der inzwischen vor einem Gericht in Phnom Penh vernommen worden ist, kann zunächst bis zu einem halben Jahr in Untersuchungshaft genommen werden, damit die Polizei weitere Nachforschungen anstellen kann. Dem Verdächtigen drohen bei Verurteilung wegen Kindesmissbrauchs bis zu 20 Jahre Gefängnis. Seit 2003 sind Dutzende von Pädophilie-Verdächtige inhaftiert oder in ihre Heimatländer abgeschoben werden. Das zeigt auch, dass im Gegensatz zu früher die Aussagen der Kinder ernstnommen werden. Dennoch versuchen Ausländer immer wieder, mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu kommen.
Im März diesen Jahres waren zwei Deutsche zu insgesamt 40 Jahren Haft verurteilt worden. Ein anderer 62-jähriger Tourist aus Stuttgart war festgenommen worden, weil er sich an einem 13-jährigen Mädchen vergangen hatte. Deren Mutter hatte der Vergewaltiger versprochen, der Kleinen bei den Hausaufgaben zu helfen. Auch diesem Mann droht nun eine hohe Haftstrafe.
Sextouristen, die früher in Thailand ihre Opfer gefunden haben, sind jetzt trotz härterer Maßnahmen im benachbarten Kambodscha unterwegs, um ihrem ekelhaften Laster zu frönen. Es hat sich herumgesprochen, dass auch die Prostituierten immer jünger werden. Mindestens ein Drittel von ihnen ist jünger als 18 Jahre, die jüngsten sind zehn. Sie verkaufen ihren Körper für wenige Dollar, wobei so genannte „Beschützer“ ihnen das meiste Geld wegnehmen. Viele der Mädchen stammen aus dem Nachbarland Vietnam. Skrupellose Menschenhändler bringen sie über die in vielen Landstrichen offene Grenzen und gehen somit kaum ein Risiko ein. Begünstigt wird der Kinderhandel auch durch die ungebremste Landflucht.
Nach einer Schätzung der Kinderhilfsorganisation Unicef verkaufen in Asien etwa eine Million Minderjährige ihren Körper. Der Umsatz in der Sexindustrie ist von Jahr zu Jahr gestiegen und wird inzwischen auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt. Ein Geschäft, an dem Eltern, die ihre Kinder anbieten, ebenso verdienen wie gut organisierte Banden, die oft mit unterbezahlten Polizisten zusammenarbeiten.
Beispielhaft ist folgender Vorfall, der sich vor nicht allzu langer Zeit in Phnom Penh ereignete. Die Organisation Afesip, die ihre Tätigkeit in Kambodscha begonnen hat und sich inzwischen um die Opfer von Prostitu-tion und Menschenhandel in ganz Asien kümmert, hatte über längere Zeit ein Hotel im Visier, das in Wirklichkeit eines der größten Bordelle in der Stadt war. Die Organisation erhielt schließlich die Erlaubnis, zusammen mit der Polizei eine Razzia durchzuführen, bei der fast einhundert Mädchen befreit werden konnten. Diese wurden in den Räumen der Organisation untergebracht. Acht Zuhälter wurden verhaftet. Kurz darauf erhielt Afesip telefonische Drohungen, besuchen solche Häuser doch auch hoch gestellte Persönlichkeiten, die nach der Razzia Enthüllungen befürchteten.
Es dauerte nicht lange und bewaffnete Männer verschafften sich am helllichten Tag gewaltsam Zutritt bei Afesip und brachten die Mädchen mit Autos und Motorrädern fort. Die Hilfsorganisation wurde von den Behörden völlig alleine gelassen; niemand kümmerte sich mehr um diesen unglaublichen Vorgang.
Prostitution als Ergebnis der Armut – nahezu mittellose Bauern verkaufen gelegentlich ihre eigenen Kinder. Selten aus Habgier, oft, weil sie nach einer schlechten Ernte nichts mehr zu essen haben. Vor allem in Kambodscha kommt es aber auch vor, dass kinderlos gebliebene Eltern sich einen Jungen oder ein kleines Mädchen kaufen. Über den Preis wird nicht gesprochen, doch ist zu hören, dass rund 500 Dollar für ein Kind im Babyalter bezahlt werden. Sollte der eine oder andere Fall bekannt werden, dann drücken die Behörden beide Augen zu. Mit Dollar wird in Südostasien viel geregelt.