Freitag, 26. Juni 2009

Erbanlagen für Begabung?

Bisher gelang es den Experten nicht, Erbanlagen für Begabung zu finden

Aus: Spektrum der Wissenschaft, Juli 2009

Die Intelligenz spielt mit den Forschern Versteck. Sie wissen: Diese Eigenschaft ist zu einem bestimmten Grad erblich. Doch wie sich diese Veranlagung im Erbmaterial spiegelt, konnten sie bisher nicht ergründen.

Einer der bekanntesten Wissenschaftler auf diesem Gebiet ist der amerikanische Psychologe und Verhaltensgenetiker Robert Plomin vom Londoner King’s College. Seit Jahren sucht er bei Zwillingen nach Genen, die sich auf den Intelligenzgrad auswirken. Inzwischen durchmusterte der Forscher das Erbgut von 15000 eineiigen Geschwisterpaaren. Mit molekularen Chips der modernen Genforschung kann er gleichzeitig eine halbe Million verschiedene DNA-Schnipsel erkennen. Im Grunde ließen sich dadurch selbst noch Gene aufspüren, die sich auf die Intelligenz nur in einem ganz geringen Grad auswirken.

Doch außer einer kleinen Handvoll vager Hinweise kann Plomin bisher nichts vorweisen. Wieso sich diese Suche so unerwartet schwierig gestaltet – und wie die Forscher sich ihre frustrierenden Ergebnisse erklären –, erzählt der amerikanische Wissenschaftsautor Carl Zimmer in der Juli-Ausgabe von "Spektrum der Wissenschaft". Letztlich scheint sich zu erweisen, dass eine große Anzahl Einflüsse die individuelle Begabung mit ausprägen. Wirkliche Intelligenzgene scheinen tatsächlich nicht zu existieren. Doch eine Unzahl von Erbfaktoren dürfte diese Eigenschaft im Verein mit ebenso komplex wirkenden Umweltfaktoren ausformen.

Interessanterweise zeigt sich der erbliche Einfluss auf die Intelligenz mit den Jahren immer deutlicher. Nicht nur eineiige Zwillinge, die getrennt aufwachsen, ähneln sich hierin stark. Auch Adoptivkinder nähern sich als Jugendliche in ihrer Intelligenz immer mehr ihren leiblichen Eltern. Vielleicht sorgt die Umwelt und sorgen auch wir selbst von klein an dafür, weil wir unsere Stärken bedienen und andere Menschen uns dabei unterstützen: Intelligenz als emergente Eigenschaft des Gehirns.

Die Forscher vermuten, dass sie nur in Zusammenarbeit mit Hirnforschern weiterkommen werden. Auch die rätseln, wie und wo sich Intelligenz in einer biologischen Struktur zeigt. Die Hirnexperten würden zum Beispiel gern erklären können, wieso bestimmte Bereiche der Hirnrinde bei hochintelligenten Kindern anfangs dünner sind als beim Durchschnitt, am Ende der Schulzeit aber dicker.