Freitag, 31. Juli 2009

Die Macht der Viren

Mit Computern gegen den Aidsvirus / Wohin steuert die Virologie

Aus: Spektrum der Wissenschaft, August 2009

Weltweit breitet sich die Schweinegrippe immer weiter aus. Allein in Deutschland hat das Robert-Koch-Institut inzwischen fast 1500 Fälle gezählt, Tendenz steigend. Die Dringlichkeit dieser Fälle und die Gefahr einer mutierten Form der Schweinegrippe sorgen dafür, dass das Thema "Viren" momentan in aller Munde ist. Aber was machen Virologen, wenn sie sich nicht gerade mit einer Pandemie konfrontiert sehen?

In der August-Ausgabe von "Spektrum der Wissenschaft" berichten sie über Fragen und Herausforderungen, mit denen sie sich üblicherweise beschäftigen. So beschreibt der Bioinformatiker Thomas Lengauer vom Max-Planck-Institut für Informatik, wie ausgetüftelte Software die Suche nach neuen Wirk- oder Impfstoffen erleichtert, die gegen den Erreger der pandemischen Aids-Erkrankung helfen.

Nach Schätzungen sind derzeit weltweit 33 Millionen Menschen mit dem Humanen Immundefizienz-Virus infiziert und 25 Millionen an den Folgen gestorben. Das gravierendste Problem beim Aidsvirus ist, dass es fortlaufen mutiert und dadurch Resistenzen gegen bestimmte Wirkstoffe entwickelt. Hier kommen Datenbanken und bioinformatische Methoden zum Einsatz. Dank ihnen ist es möglich, aus der Genomsequenz der jeweiligen Virusvariante den effektivsten Wirkstoff zu bestimmen.

Der Heidelberger Virologe Hans-Georg Kräusslich schlägt in seinem Beitrag einen großen Bogen über die noch junge Wissenschaft der Virologie. Von ihren Erkenntnissen hängt jedes Jahr das Leben mehrere hunderttausend Menschen ab. Kräusslich beschreibt das winzige Gebilde Virus, das an der "Grenze zwischen lebendem Organismus und toter Materie" steht und zeigt, wohin die Reise der Virologie im Licht der modernen Genomforschung gehen wird.

Während das Thema die Öffentlichkeit meist in Alarmbereitschaft versetzt, sieht Kräusslich auch das Nützliche der Viren: etwa für selbstorganisierende Strukturen in der Nanotechnologie oder in der synthetischen Biologie. In der Impfstoffentwicklung setzt man bereits vereinfachte Formen künstlicher Viren ein: Die Impfstoffe gegen Hepatitis B und Papillomvirus-Infektionen. Viren sind zwar oft tödlich, aber manchmal auch nützlich.