Mittwoch, 2. Februar 2011

Wider den Weiblichkeitswahn

90. Geburtstag am 4. Februar 2011 von Betty Friedan (Betty Naomi Goldstein)
4. Februar 1921, Peoria, Illinois – 4. Februar 2006, Washington, DC

Die US-amerikanische Frauenrechtlerin und Publizistin Betty Friedan prägte die amerikanische Zeitgeschichte wie Simone de Beauvoir die europäische. Ihr Werk „Der Weiblichkeitswahn“ verkaufte sich über 5 Millionen Mal. Es hat das Leben sehr vieler Frauen bewegt und einen grundlegenden Wandel im Bewusstsein eingeleitet. Es ermöglichte den Frauen, ihr weibliches Rollenverständnis zu verändern. Als charismatische Rednerin und Gründerin von Frauenorganisationen begeisterte und mobilisierte sie Massen.

Die Tochter aus einer jüdischen Emigrantenfamilie ist sehr wissbegierig und liest als Kind so viel, dass ihr Vater das Ausleihen von mehr als 5 Büchern gleichzeitig aus der Bibliothek verbietet. Die Familie hat es durch ein Juweliergeschäft zu Wohlstand gebracht. Die Mutter, zunächst Redakteurin, unterliegt dem Weiblichkeitswahn und regt durch ihr Leben das Mädchen Betty zu dem Gebet an: „Wenn ich groß bin, will ich eine eigene Arbeit haben!“

Betty will ihr Leben nicht ausschließlich mit Gut-Aussehen, Tennisspielen und Shopping verbringen wie die Mutter und studiert Soziologie und Psychologie am Smith-College, wo sie mit der Auszeichnung summa cum laude abschließt. Sie erhält 1942 ein Forschungsstipendium an der University of California at Berkeley. Einer akademischen Karriere zieht sie das praktische Leben vor und widmet sich dem Journalismus.

Nach der Heirat mit Carl Friedan, einem Schauspieler, bleibt sie voll erwerbstätig – auch als 1948 ihr Sohn Daniel zur Welt kommt. Eine Gewerkschaftszeitung kündigt ihr, weil sie 1952 beim nächsten Kind um Mutterschaftsurlaub bittet. Zwar kommt Betty als Freelancerin bei Frauenmagazinen unter, doch ist das dort propagierte Hausfrauen-Ideal nicht ihre Welt. Sie verschickt Fragebögen an ihre ehemaligen Kommilitoninnen und möchte wissen: Wie denken sie über ihre Lage als gut ausgebildete, weiße Hausfrauen der Mittelschicht und vor allem: Wie fühlen sie sich? Aus der desaströsen Antwort wird ein brisanter Artikel. Er wird von allen Redaktionen abgelehnt. Betty entscheidet sich, ein Buch daraus zu machen: »The Feminine Mystique« («Der Weiblichkeitswahn«). 1963 schlägt das Buch ein wie eine Bombe.

Mit ihren rhetorischen Fähigkeiten bewegt sie die Frauenwelt. Sie öffnet Perspektiven für Frauen jenseits der Rolle als Hausfrau und Mutter. Sie demaskiert entschlossen und furchtlos, wie die Industrie durch Werbung und Medien auf die Reduzierung der Frau zur Familien-Dienerin und abhängigen Ehehälfte hinwirkt, um sie in einer wirtschaftlich lukrativen Konsumentinnenrolle festzuhalten. Die Feministin gründet 1966 die National Organization for Women (NOW) und bleibt bis 1970 deren Präsidentin. Bis dahin kann immer noch nicht die Rede davon sein, dass das Gleichheitspostulat Lebenswirklichkeit für die Frau geworden ist. Männer sollen sich aktiv an der Emanzipationsbestrebung der Frau beteiligen, so ihr Credo. Beleidigte Stimmen hingegen, wie die ihres geschiedenen Ehemannes, denunzieren sie als Männerfeindin. In Wirklichkeit ist sie eine Vorkämpferin gegen die falsche Ordnung in Beziehung und Gesellschaft.

Betty Friedan ist es mit vielen anderen Frauen zu verdanken, dass die bedeutendste soziale Bewegung des 20. Jahrhunderts, die Frauenbewegung, durch Bewusstseinsveränderung als unblutigste und erfolgreichste in die Geschichte eingeht. Sie stirbt an ihrem 85. Geburtstag in Washington D.C. an Herzversagen. Die New York Times nennt sie in ihrem Nachruf die „Kreuzritterin des Feminismus“.

Betty Friedan über das Alter: „Wenn einem Mann die Ehefrau wegstirbt, dann stirbt er sehr oft innerhalb der nächsten zwei Jahre hinterher. Wenn einer Frau der Ehemann stirbt, dann trauert sie vielleicht, vielleicht auch nicht; aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie stirbt, ist nicht größer als vorher. Vielleicht lebt sie sogar auf. … Das hat etwas mit ihrem Leben zu tun. Sie (Frauen) sind es gewohnt, auf Veränderungen schnell zu reagieren. Bei Männern geht doch alles ziemlich geradeaus: Ausbildung, Aufstieg, Karriere - und Schluss. Frauen haben schon immer mehr Verantwortung. Was wird aus den Kindern? Ist diese Ehe noch zu retten? Was machen wir mit den alten Eltern?“

Betty Friedan über sich selbst: “Ich bin jemand, die sich immer noch mit Stolz als Feministin bezeichnet. Und ich bin stolz auf die Frauenbewegung: Ich finde, dass sie die lebensfreundlichste, die erfreulichste Bewegung in diesem Jahrhundert ist!“
FemBio (Hannover/Boston) von Professorin Luise F. Pusch ist das weltweit umfassendste Frauenbiographie-Portal und steht für den größten Schatz an verfügbaren Frauenbiographien – mit den Schwerpunkten Europa und Amerika.

Original-FemBiografie zu Betty Friedan von Silvie Horch auf http://www.fembio.org.
Bearbeitet von Evelyn Thriene
FemBio Pressestelle
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