Für Psychiater und Psychotherapeuten hat das 21. Jahrhundert aufregend begonnen. Dank neuer Operationsmethoden können Mediziner heute mittels Hirnelektroden Depressionen und Zwänge lindern. Mathematische Analysen erlauben Wendepunkte im Verlauf einer Psychotherapie zu identifizieren.
Aus: Gehirn&Geist, Dossier 3/2009
Doch technischer Fortschritt hat seinen Preis: Der Apparatemedizin auf einer Intensivstation ausgeliefert zu sein, kann Patienten langfristig traumatisieren. Computer und Internet haben eine zweite Realität geschaffen, in der vieles nur noch Schein ist: sei es die Makellosigkeit dank digitaler Bildbearbeitung oder eine virtuelle Existenz als Avatar in einem Onlinespiel. Die Werbung fördert Konsumexzesse und Kaufsucht, indem sie suggeriert, dass wir nur bestimmte Produkte erwerben müssen, um jung, schön und erfolgreich zu sein.
Das neue Dossier von Gehirn&Geist gibt einen Überblick über neue psychische Störungen und die Möglichkeiten, diese zu behandeln.
Inhaltsverzeichnis
Geistesblitze
Wie die Angst kommt und geht • Pille gegen schlimme Erinnerungen • Mit aktiven Proteinen zum Erfolg • Gentherapie für Alkoholiker?
Im Kaufrausch
Die Psychologin Astrid Müller erklärt, wie aus der Lust am Shoppen ein unwiderstehlicher Drang wird – und welche Behandlung Erfolg verspricht.
Der eingebildete Makel
Menschen mit körperdysmorpher Störung fühlen sich hässlich. obwohl sie allenfalls einen kleinen Schönheitsfehler haben. Besitzen sie einen besonders feinen Sinn für Ästhetik?
Interview: "Menschen als Unterhaltungsfutter"
Wenn Boulevardmedien naive Bürger aufs Korn nehmen. leiden viele von ihnen unter Scham und Ohnmachtsgefühlen. Der Psychiater Mario Gmür über die psychischen Folgen des Schlagzeilen-Terrors.
Albtraum Intensivstation
Notfalltherapie kann Leben retten, doch die traumatischen Erinnerungen an die Zeit im Krankenhaus lassen die Patienten oft nicht mehr los. Ein Hormon kann hier helfen.
Interview: "Sucht nach virtuellem Prestige"
An der Uniklinik Mainz gibt es eine Spezialambulanz für Computerspiel-Süchtige. Der leitende Psychologe Klaus Wölfling erklärt, warum Onlinegames so gefährlich sind und was seinen Suchtpatienten hilft.
Gesammeltes Leid
Jeder Gang zum Papierkorb ist für Messies ein Kampf. Sie können zwischen wichtigen und nutzlosen Gegenständen nur schwer unterscheiden und fühlen sich ihren Besitztümern emotional stark verbunden.
Stammbaum der Störungen
Die klassische Einteilung der psychiatrischen Krankheiten ist mehr als 100 Jahre alt - und reformbedürftig. Dafür sprechen neue Erkenntnisse aus der Psychogenetik.
Interview: "Die Nadel im Molekülhaufen"
Im britischen Cambridge forscht Sabine Bahn nach Biomarkern für Schizophrenie und Manie. Ein Laborbesuch
In der Endlosschleife
Der Psychiater Ulrich Voderholzer und die Psychologin Anne Katrin Külz erläutern, wie ein gestörter Regelkreis im Gehirn Zwänge auslösen kann.
Fatales Erbe
Suizide treten familiär gehäuft auf. Die Neigung zum Freitod liegt manchen Menschen in den Genen.
Heilsame Trips
Psychiater testen das therapeutische Potenzial von halluzinogenen Drogen - mit ersten Erfolgen.
Dialektik fürs Gemüt
Eine Mannheimer Borderline-Station setzt auf Psychotherapie mit Akzeptanz und Emotionsmanagement.
Interview: "Größten Respekt vor dem Gehirn"
Der Kölner Neurochirurg Volker Sturm behandelt depressive Patienten mittels Tiefer Hirnstimulation.
Sanfte Psychiatrie
Eine Station für psychotische Patienten verzichtet auf Zwangsmaßnahmen und geschlossene Türen.
Musterhafter Wandel
Mit Hilfe der Synergetik, einer Theorie zur Funktionsweise von Systemen, lässt sich der Erfolg einer Psychotherapie mathematisch erfassen und steuern.
98 Seiten, ISBN 978-3-941205-32-1, € 8,90