Mittwoch, 3. Februar 2010

Caracalla - Der inszenierte Krieg

Im Jahre 213 unternahm Kaiser Caracalla eine Militäroperation gegen die Alamannen, die viel gerühmt wurde. Möglicherweise zu Unrecht.

Aus: epoc, 2/2010

Nur ein Narr wäre in den Krieg gezogen, ohne für den Beistand der Götter zu sorgen, und ein Narr war Kaiser Caracalla gewiss nicht. Und so versammelte sich das ehrwürdige Priesterkollegium der Arvalbrüder am 11. August des Jahres 213, weil "unser Herr, der erhabene Kaiser im Begriff ist, über den Limes von Rätien Barbarenland zu betreten, um die Feinde auszumerzen." Knappe zwei Monate später, am 6. Oktober, traf man sich erneut "aus Anlass seines Sieges über die Germanen."

Beide Zusammenkünfte liefern Historikern Eckdaten der Germanica expeditio Caracallas, eines als Brudermörder verachteten, als Tyrann gefürchteten Herrschers. Bis vor wenigen Jahren galt sein Feldzug in das freie Germanien als aufwändige Militäroperation mit dem Ziel, eine Bedrohung der nördlichen Reichsgrenze durch die Alamannen abzuwehren, einen bis dahin noch unbekannten Stamm.

Doch der Archäologe Andreas Hensen stellt diese Lehrmeinung in Frage, wie er in der neuen Ausgabe von epoc darlegt. Anhand bislang wenig genutzter Informationsquellen – darunter Inschriften und Datumsangaben auf kaiserlichen Rechtsbescheiden – kommt er zu dem Schluss: Der gesamte Feldzug hat kaum mehr als zwei Wochen gedauert, zu wenig Zeit für ein Unterfangen der bislang unterstellten Größenordnung. Zudem musste Caracalla seinen Wunschgegner wohl erst bis auf’s Blut reizen, um ihn zum Waffengang zu bewegen. Vieles deutet darauf hin: Caracallas ruhmreicher Krieg war nur ein unrühmlicher PR-Feldzug, um das ramponierte Image des Kaisers aufzupolieren.

Über epoc:
epoc, das Magazin für Geschichte, Archäologie und Kultur, erscheint seit 2004. Sechsmal pro Jahr vermitteln Forscher und Fachjournalisten auf mehr als 100 Seiten fundiert und unterhaltsam Wissen über historische Themen und zeigen spannende Zusammenhänge aus Kunst, Kultur und Geistesgeschichte auf. Ein jeweils umfassend beleuchtetes Titelthema zu zentralen Ereignissen, Persönlichkeiten und Kulturen der Welt sowie spannende Reportagen und Essays überzeugen alle zwei Monate rund 40 000 Leser.

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