Montag, 1. Februar 2010

Stammzelltherapie: Durch die Nase ins Gehirn

Mediziner finden einen neuen Weg, um Stammzellen in das zentrale Nervensystem einzuschleusen.

Aus: Gehirn&Geist, März 2010

Wissenschaftler der Universität Tübingen entdeckten einen neuen Weg, auf dem sich Stammzellen ohne Operation direkt ins Gehirn bringen lassen: Einmal in die Nase geträufelt, wandern die Zellen am Riechnerv entlang in das zentrale Nervensystem ein. Über diese viel versprechende Methode berichten die Mediziner um Lusine Danielyan in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Gehirn&Geist (Heft 3/2010).

Potentielle SchleichpfadeStammzellen sind die Hoffnungsträger der modernen Medizin: Sie können sich in verschiedene Arten von Körperzellen entwickeln und wären daher zumindest theoretisch geeignet, verletztes Gewebe zu ersetzen. Auch neurologische Erkrankungen wie die Alzheimer-Demenz, Parkinson oder die Folgen von Schlaganfällen sollen die kleinen Alleskönner in Zukunft heilen helfen. Bislang ist es allerdings ein Problem, die Zellen in das Gehirn zu bringen: Da sie die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren, bestand die einzige Möglichkeit darin, ein Loch durch die Schädeldecke zu bohren.

Die neue Methode der "intranasalen" Verabreichung hat den Vorteil, dass sie schmerzfrei und beliebig wiederholbar ist. Die Zellen passieren entlang des Riechnervs die unterste Knochenplatte des Siebbeins und erreichen den Riechkolben (Bulbus olfactorius) direkt über der Nasenhöhle. Von dort verteilen sie sich auf verschiedenen Wegen im Gehirn, wie Tierversuche zeigten. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass die Zellen sogar selbständig den Weg zu verletzten Hirnregionen finden, so die Forscher.

Über Gehirn&Geist:
Gehirn&Geist ist das Magazin für Psychologie und Hirnforschung aus dem Verlag Spektrum der Wissenschaft. Es erscheint seit 2002, mittlerweile in 10 Ausgaben pro Jahr. Fundiert und allgemein verständlich berichten Wissenschaftler und Fachjournalisten in Gehirn&Geist über die Welt im Kopf. Schwerpunkte liegen dabei auf Psyche und Verhalten, Wahrnehmung und Bewusstsein, Intelligenz und Kreativität, Gefühle und Gedächtnis. Neue Erkenntnisse und Trends in der Psychotherapie und Medizin gehören ebenso dazu wie gehirngerechtes Lernen, Kindererziehung, Coaching und gesellschaftliche Debatten. Daneben informieren spezielle Sonderhefte ausführlich über Einzelthemen.

Die Homepage http://www.gehirn-und-geist.de mit aktuellen Nachrichten, Newsletter und dem kompletten Heftarchiv runden das redaktionelle Angebot ab. Außerdem bieten wir mit www.brainlogs.de das größte deutsche Blogportal für Psychologie und Neurowissenschaften, in dem Experten und Laien diskutieren.

Zu unseren rund 100 000 Lesern gehören Mediziner, Therapeuten, Manager, Lehrer, Eltern, Studenten und Interessierte, die sich umfassend, kompetent und aus erster Hand informieren wollen. Das erfolgreiche Konzept von Gehirn&Geist stand Pate für zahlreiche ausländische Schwestermagazine unter anderem in Italien, Spanien, Frankreich, Brasilien, Belgien und den Niederlanden. Mit "MIND" eroberte ein weiterer Ableger von Gehirn&Geist sogar den hart umkämpften Zeitschriftenmarkt in den USA.